Joram van Klaveren: Das Buch, das seinen Zweck veränderte

Joram van Klaveren begann seine Nachforschungen nicht mit dem Wunsch, dem Islam näherzukommen. Als ehemaliger niederländischer Abgeordneter der Partei für die Freiheit hatte er an einer politischen Rhetorik mitgewirkt, die Moscheen, den Koran und islamische Schulen verbieten wollte. Er wuchs in einer frommen protestantischen Familie auf und verließ die Partei 2014, als er ihre Botschaft nicht mehr nur als Religionskritik, sondern als ethnische Ausgrenzung verstand.
Nach seinem Abschied aus der Politik wollte er ein Buch schreiben, das seinen früheren Positionen ein theoretisches Fundament geben sollte. Der Anspruch auf sachliche Genauigkeit führte ihn jedoch zu Befunden, die nicht in sein altes Bild passten. Neue Fragen entstanden, und er wandte sich an muslimische Gelehrte, darunter Abdal Hakim Murad. Wegen seiner politischen Vergangenheit rechnete er mit Schweigen; Murad antwortete ausführlich, empfahl Bücher und verwies ihn an weitere Fachleute.
Van Klaveren hatte bereits Zweifel an christlichen Lehren wie der Dreieinigkeit, dem Opfer Christi und der Erbsünde. Seine Untersuchung des Islam wurde deshalb zu einer Suche nach Gott. Das Prophetentum Muhammads war das letzte Hindernis, das er ausdrücklich nannte. Nach monatelanger Beschäftigung mit dessen Leben und Charakter war er nach eigener Aussage überzeugt, dass Muhammad wirklich Gottes Gesandter sei.
Am 26. Oktober 2018 sprach Van Klaveren das Glaubensbekenntnis im Haus seines Verlegers, wie er im NRC-Interview erzählte. Er beschrieb auch, wie er nach dem Glauben an den einen Gott Muhammads Prophetentum anerkannte. In einer Nacht sei noch alte Abneigung geblieben, am nächsten Morgen aber verschwunden; dann habe er Frau und Mutter informiert. Am 4. Februar 2019 wurde sein Islam öffentlich. Aus dem Widerlegungsprojekt wurde Apostate, das Buch über seinen Weg. [V4, V2, V1]
Die Abkehr von seiner früheren Botschaft hatte ihren Preis. In einem späteren Interview berichtete er von mehr als 2.000 Morddrohungen, einige gegen seine Frau und seine Kinder. Nach seiner Vergangenheit gefragt, sagte er, er schäme sich für seine Äußerungen. Seine spätere Arbeit zielte darauf, die Vorurteile zu korrigieren, an denen er mitgewirkt hatte: Er beteiligte sich an einer Stiftung zur Vermittlung islamischer Geschichte und an einem Zentrum, das Empathie fördern will.
2024 erinnerte er sich daran, dass sein Bücherregal zusammenbrach und sein Blick auf eine übersetzte Koranstelle über die Blindheit des Herzens fiel, die er auf seine eigene Lage bezog. Das Leben und den Charakter des Propheten hatte er monatelang untersucht. In seinem früheren Bericht beschrieb er diese Beschäftigung als den Schritt, der seinen letzten Einwand gegen das Prophetentum ausräumte. [V2, V3]
Neuen Muslimen riet er praktisch, ihre Familie schrittweise in den Weg einzubeziehen, enge Beziehungen zu bewahren und langsam vorzugehen. Muslime sollten Missverständnissen zudem durch Verhalten, Bildung und verlässliche Institutionen begegnen, nicht nur durch Streitgespräche.
Seine Geschichte zeigt, dass eine zur Widerlegung begonnene Untersuchung den Autor verändern kann, wenn er Belege seine Voraussetzungen korrigieren lässt. Das Eingeständnis eines Irrtums endet auch nicht mit einer neuen Erklärung; es bringt Verantwortung für die Wirkung früherer Worte mit sich. [V2, V3]
Quellen
- NOS — Bekanntgabe von 2019 und direkte niederländische Interviews
- The Muslim Vibe — ausführliches direktes Interview, 26. Januar 2021
- The Guardian — unabhängiges späteres Interview, 4. April 2024
- NPO Radio 1 — zeitnahe Rückschau auf die Entwicklung seiner Positionen, 8. Februar 2019
- NRC · Sheila Kamerman / Hanina Ajarai · 2019-02-04
