Arnoud van Doorn: Das Bild prüfen, das er selbst verbreitet hatte

Arnoud van Doorn wuchs in Den Haag in einem christlichen Umfeld auf. Später ging er in die Politik und schloss sich der niederländischen Partei für die Freiheit an, die für ihre islamfeindliche Linie bekannt war. Er wirkte an der Verbreitung des Films Fitna mit, betonte später jedoch, nicht dessen Produzent gewesen zu sein. Den Islam betrachtete er als Bedrohung für Gesellschaft und Freiheit – ein Bild, das nach seinen Worten stärker durch Medien und politische Botschaften als durch eigenes Studium entstanden war.
Zweifel kamen auf, als dieses Bild nicht mehr zu den Muslimen passte, die er persönlich kannte. Konnten mehr als eine Milliarde Menschen, darunter anständige Nachbarn und Kollegen, wirklich derselben feindseligen Beschreibung entsprechen? Er beschloss, die Behauptung selbst zu prüfen. Etwa ein Jahr lang las er den Koran, beschäftigte sich mit dem Leben des Propheten Muhammad, ging in die Bibliothek und in eine Moschee und sprach mit Imamen und anderen Muslimen.
Er führte den Wandel weder auf einen einzelnen Vers noch auf eine dramatische Szene zurück. Die Erkenntnis wuchs langsam; besonders hob er das Leben des Propheten und die Antworten auf seine religiösen Fragen hervor. Auch der Besuch der Moschee stellte eine alte Annahme auf die Probe: Er erwartete Ablehnung, wurde jedoch freundlich empfangen und verbrachte Stunden mit Menschen, die seine Fragen ohne Feindseligkeit beantworteten.
Er erinnerte sich daran, 2013 in einem kleinen Büro einer Moschee mit einem begleitenden Freiwilligen und ohne Publikum das Glaubensbekenntnis gesprochen zu haben. Aus Sorge um Arbeit und Stellung hielt er die Entscheidung einige Wochen geheim. Am 27. Februar 2013 gab er seinen Islam über sein Konto bekannt. RTL berichtete am Folgetag und gab seine Bestätigung wieder, das Konto sei nicht gehackt worden. [A1, A2, A4]
Nach seiner Darstellung unterstützte ihn seine Mutter, während zu manchen Geschwistern, Freunden und Kollegen Distanz entstand. Er verband die öffentliche Bekanntgabe mit dem Verlust seiner Arbeit und einem materiell bescheideneren Leben: Er zog in eine kleinere Wohnung und verkaufte sein Auto. Dennoch beschrieb er die Zufriedenheit nach der Annahme des Islam als etwas, das Besitz ihm nicht gegeben hatte. Im Oktober desselben Jahres berichtete die Presse über seine Pilgerfahrt nach Mekka.
Sein wiederholter Rat bestand nicht darin, eine Propaganda durch eine andere zu ersetzen, sondern Verantwortung für das eigene Wissen zu übernehmen: lesen, fragen, eine Moschee besuchen und den Islam von den über ihn erzeugten Bildern unterscheiden. [A1]
