Molly Ann Elian: Als eine alte Frage mit zweiundzwanzig zur Entscheidung wurde

Molly Ann Elians Weg begann nicht in einem religiösen Vakuum. Sie wuchs katholisch auf, betete, las und suchte nach Antworten. Doch nach ihrer eigenen Darstellung beruhigte die übernommene Glaubensform die Fragen nicht, die in ihr blieben. Lange bevor sie ihr Ziel benennen konnte, wusste sie, dass die ererbte Identität sie nicht vollständig beschrieb.
Ihre früheste Erinnerung an den Islam verbindet sie mit dem Kinderbuch *King of the Wind* über einen marokkanischen Stalljungen und sein Pferd. Eine Passage über das Fasten im Ramadan blieb ihr im Gedächtnis, ohne damals zu einem fortlaufenden Studium zu führen. Sie berichtet außerdem von Träumen in der Kindheit und einer späteren Vision, die sie im Licht ihres späteren Lebens deutete. Hier werden diese Erfahrungen nur als ihre eigenen Erinnerungen wiedergegeben, nicht als unabhängig bestätigte Beweise.
Jahre später war der Islam keine entfernte Erinnerung mehr, sondern eine unmittelbare Frage. Ein muslimischer Bekannter scherzte über einen möglichen Übertritt. Molly beharrte darauf, den Islam zu achten, aber nicht an ihn zu glauben, während es ihr immer schwerer fiel, die Möglichkeit auf Abstand zu halten. In ihrem Bericht war die Angst mit der Erkenntnis verbunden, dass die Annahme des Islam auch die vertraute Geschichte über sie selbst verändern würde.
Mit zweiundzwanzig sprach sie das Glaubensbekenntnis. Die verfügbaren Quellen nennen weder Tag und Monat noch Moschee oder Zeugen; deshalb hält dieses Dossier nur das Jahr 2005 fest. Ihre Schilderung von Freude und Erleichterung nach der Entscheidung gehört zu ihrem Zeugnis. Dieser Text rekonstruiert keine Zeremonie und erfindet keine Gespräche.
Danach trat die Entscheidung in den Alltag ein. In ihrem ersten Sommer als Muslimin betrachtete sie ihre gewohnte Kleidung und fragte sich, wie sie die nun bejahte Schamhaftigkeit leben könne, ohne der Familie bereits alles zu sagen. Ärmel wurden länger und Säume sanken allmählich. Sie lehnte Einladungen zum Schwimmen ab und zog in einen anderen Bundesstaat, um ihr Studium abzuschließen. Dort begann sie, Hijab zu tragen und eine muslimisch-amerikanische Identität zu entwickeln.
Als sie im folgenden Sommer nach Hause kam, war sie noch nicht bereit, jede Veränderung zu zeigen. Sie nahm das Kopftuch ab, kleidete sich jedoch weiter zurückhaltend. Ein weiteres Jahr verging. Nach zwei Jahren als Muslimin reiste sie zur Hochzeit einer Freundin nach Kairo, lernte dort den Mann kennen, den sie heiratete, und kehrte in die Vereinigten Staaten zurück, um ihrer Familie von ihrem Glauben zu erzählen. Die Angehörigen waren nicht einverstanden, sagt sie, liebten und akzeptierten sie aber weiterhin. So konnte sie offen praktizieren, ohne die prägenden Beziehungen abzubrechen.
Mollys Geschichte reduziert den Übertritt weder auf ein einziges Argument noch auf einen dramatischen Augenblick. Sie zeigt eine lange Suche, in der Lesen, Erinnerung, Angst, Entscheidung und praktische Anpassung zusammenkamen. Belegt sind ihr historisches Zeugnis in der ersten Person und das Jahr 2005; über ihren heutigen religiösen Stand wird nichts abgeleitet.
