Megan B. Rice: Von einer Frage nach Standhaftigkeit zur Lektüre des Korans

Megan B. Rice war es gewohnt, online über Bücher zu sprechen und eine Lesegemeinschaft zu organisieren. Sie erklärte jedoch, dass sie nicht religiös aufgewachsen sei und diesen Weg nicht mit der Absicht begonnen habe, ihren Glauben zu wechseln. Die Frage entstand im Herbst 2023, als sie sah, wie Palästinenser sich inmitten von Angst und Verlust Gott zuwandten, und verstehen wollte, woher diese Standhaftigkeit kam. [MR-S1, MR-S2, MR-S4]
Muslimische Follower schlugen ihr vor, den Koran zu lesen und dem Glauben durch seinen Text zu begegnen. Sie begann zuzuhören und zu lesen und gründete anschließend einen Online-„World Religion Book Club“, in dem Menschen unterschiedlicher Herkunft religiöse Schriften gemeinsam studieren konnten. Ihr erklärtes Ziel war Lernen und Mitgefühl, nicht eine bereits festgelegte Schlussfolgerung. [MR-S1, MR-S3, MR-S4]
Während der weiteren Lektüre, so Rice, fand sie im Koran Themen, die mit bereits vorhandenen Werten übereinstimmten, besonders die Ablehnung von Unterdrückung und übermäßigem Konsum. Sie erkannte zudem, dass sie trotz ihrer Ablehnung offener Feindseligkeit gegenüber Muslimen das Bild eines außergewöhnlich strengen Islam aufgenommen hatte. Die Lektüre ließ sie dieses Bild am Text selbst prüfen. [MR-S1]
Über mehrere Wochen las sie weiter und sprach öffentlich darüber; dabei ging sie von der Beobachtung des Glaubens anderer zu der Frage über, was der Text für sie selbst bedeutete. [MR-S4]
Im November 2023 sprach Rice die Schahada. In späteren Interviews sagte sie, sie habe zu lesen begonnen, um andere Menschen zu verstehen, nicht um eine neue religiöse Identität zu suchen; das Gelesene habe sie dann zu einer Entscheidung geführt, die sie zu Beginn nicht geplant hatte. [MR-S2, MR-S3, MR-S4]
In einem im Januar 2024 veröffentlichten Interview beschrieb Rice einen Wandel in ihrem Einsatz für Gerechtigkeit: weniger Zorn und mehr Mitgefühl. Ihr Engagement hatte schon vor ihrem Übertritt begonnen; die Wirkung, die sie ihrem neuen Glauben zuschrieb, betraf ihren Blick auf andere Menschen und die Art, wie sie diese Arbeit fortsetzte. [MR-S2]
Der Anfang brachte auch Schwierigkeiten. In einem Interview in der März/April-Ausgabe 2024 von Islamic Horizons erklärte sie, dass das Glaubensbekenntnis nicht alle ihre Fragen beendet habe. Reaktionen auf ihre persönlichen Entscheidungen hätten sie dazu bewogen, ihre religiösen Lernschritte seltener öffentlich zu teilen. Sie wollte die Gründe hinter Ratschlägen verstehen und fand bei anderen neuen Muslimen mehr Verständnis. So gab sie ihrem Lernen einen ruhigeren Raum. [MR-S3]
Quellen
- The Guardian — Young Americans are picking up the Qur’an to understand the resilience of Muslim Palestinians (2023-11-20)
- Muslim Girl — Megan Rice Opens Up About Her Journey and Activism for Palestine (2024-01-03)
- Islamic Horizons — Embracing our Growing Umma (Mar/Apr 2024)
- New Lines Magazine — On TikTok, an Unlikely Call to Islam Emerges (2023-12-01)
