Mélanie „Diam’s“: die Frage, die der Ruhm offenließ

Die Öffentlichkeit kannte Mélanie Georgiades als Diam’s: eine erfolgreiche französische Rapperin mit beliebten Alben und Auszeichnungen. Sie besaß vieles, was Menschen mit Glück verbinden. Später erzählte sie jedoch, dass Geld und Bekanntheit eine Frage nicht beantwortet hatten: Warum war sie auf dieser Welt? Der Erfolg war sichtbar, die Suche nach einem Lebenssinn blieb.
2008 besuchte sie ihre muslimische Freundin Sousou. Als diese zum Gebet aufstand, wollte Mélanie mitbeten. Da sie die Bewegungen nicht kannte, folgte sie ihrer Freundin und warf sich nieder. Im Gespräch mit Arab News beschrieb sie 2019, dass sie sich in diesem Augenblick mit Gott verbunden gefühlt habe. Aus einem Besuch entstand der Wunsch, mehr zu erfahren.
Danach besorgte sie sich einen Koran und las darin während einer Reise nach Mauritius. Nach ihrer Darstellung stärkte die Lektüre ihre Gewissheit über Gott und gab ihrer Suche nach Sinn eine Richtung. Sie hatte bereits an einen einzigen Gott geglaubt; nun lernte sie den Islam durch seine Schrift kennen. Im Dezember 2008 nahm sie ihn an.
Die private Entscheidung wurde bald öffentlich. 2009 erschien ein Foto, auf dem sie mit Kopftuch eine Moschee verließ. Es folgte eine harte mediale Reaktion. Ihre Kleidung wurde öffentlich diskutiert, während sie selbst versuchte, mit ihrer persönlichen Veränderung zu leben. Sie zog sich schrittweise aus der Musikwelt zurück und erzählte später in Büchern und Interviews von ihrem Weg.
Als sie 2019 über die Pilgerfahrt sprach, beschrieb sie ein Verständnis der religiösen Handlungen, das mit der Zeit gewachsen war. Die Entscheidung für einen Glauben hatte ihr Lernen nicht beendet. Später führte sie bei Salam mit Regie; der Film wurde 2022 in Cannes vorgestellt. Im Interview mit Brut erklärte sie, dass sie ihre Vergangenheit nicht verleugne: Auch sie habe sie geprägt.
Das Schreiben blieb Teil ihres Lebens: Mitregisseurin Anne Cissé erklärte 2022 in Cannes, Mélanie habe die Texte für den Film geschrieben.
Im Juli berichtete Cissé zudem, der Film habe ein Gespräch mit Mélanies Mutter ermöglicht und zeige ihre Arbeit mit Waisenkindern in Mali.
Ihre Erzählung verbindet die Suche nach Sinn mit der Bedeutung, die Gebet und Koran für sie gewannen, und mit dem Verlust von Privatsphäre. Zwischen den vielen Geschichten, die andere über sie erzählten, wollte Mélanie Raum behalten, ihr eigenes Leben in selbst gewählten Worten zu beschreiben.
Quellen
- Arab News — direktes Interview, 9. August 2019
- Brut — Interview mit Mélanie, 26. Mai 2022
- Festival de Cannes — Anne Cissé über Salam, 26. Mai 2022
- Première — Anne Cissé, 4. Juli 2022
Foto: Patti Black / Unsplash.
