Yuvan Shankar Raja: Als der Verlust die Frage nach der Seele neu öffnete

Wohin geht die Seele, wenn ein naher Mensch stirbt? Für den indischen Komponisten Yuvan Shankar Raja wurde diese Frage 2011 schmerzlich persönlich. Als er vom Tod seiner Mutter erzählte, erinnerte er sich daran, im Krankenhaus ihre Hand gehalten zu haben. Ein Mensch, der eben noch bei ihm gewesen war, war plötzlich nicht mehr da.
Yuvan wuchs in einem religiös geprägten hinduistischen Elternhaus auf. Zugleich spürte er nach eigener Aussage schon als Kind eine Kraft hinter der Welt und fragte sich, wie Gott auf eine Form begrenzt werden könne. Der Tod seiner Mutter machte diese Frage persönlich. Ein Mensch, der Sekunden zuvor lebendig war, war im selben Körper nicht mehr gegenwärtig.
Ein Gebetsteppich in der Zimmerecke
Ein Freund, der aus Mekka zurückkehrte, sah seine tiefe Trauer und schenkte ihm einen Gebetsteppich. Yuvan ließ ihn monatelang in einer Ecke seines Zimmers liegen. Dann brachte ein Gespräch in der Familie über seine Mutter den Schmerz zurück. Er ging in sein Zimmer, sah den Teppich, setzte sich darauf, weinte und bat Gott um Vergebung.
Als er 2020 erneut davon erzählte, beschrieb er einen Weg, der sich nicht auf einen einzigen Augenblick verkürzen ließ. Der Gebetsteppich blieb eine wichtige Erinnerung; darauf folgten die Rückkehr zur Lektüre und das Erlernen des Gebets.
Ein Buch, das sich nicht sofort erschloss
Im Interview von 2014 sprach er über den Koran und seine Übersetzungen und darüber, wie rasch ihn der Text angesprochen habe. Der 2020 veröffentlichte Bericht erinnerte auch an die schwierige erste Lektüre, seine Rückkehr zum Buch und sein verändertes Verständnis. Er verstand den Text schließlich als Ansprache des Schöpfers an die Menschen.
Yuvan lernte zu beten und begann, den Islam zu praktizieren. Nach seiner noch im selben Jahr veröffentlichten Aussage stand sein Entschluss im Januar 2014 fest. Am 9. Februar erklärte er öffentlich, dass er dem Islam folge.
Die Entscheidung in die Familie tragen
Im Februar sprach er von der Unterstützung seiner Familie und davon, dass zwischen ihm und seinem Vater kein Missverständnis bestehe. Im August erinnerte er sich an den Beistand seines Bruders und seiner Schwägerin sowie an das Unbehagen seines Vaters beim Gespräch über den Übertritt. Zugleich äußerte er Liebe und Respekt für ihn. Ihre Beziehung lässt sich nicht auf diesen Unterschied reduzieren.
Zafroon Nizar, die er später heiratete, berichtete 2020 von ihrem ersten Kontakt im Juli 2014, nach seiner öffentlichen Erklärung. Sie wies die Behauptung zurück, er sei ihretwegen zum Islam übergetreten.
Von Fragen zur Entscheidung
Durch den Verlust wurden alte Fragen persönlich. In seiner Erzählung stand am Anfang weder ein fertiges Verständnis noch ein Augenblick, der alles Weitere erklärte. Er kehrte zur Lektüre zurück, lernte zu beten und sprach schließlich öffentlich über seine Entscheidung.
Quellen
- Times of India — Interview mit Yuvan Shankar Raja, 13. August 2014
- IANS / Business Standard — Yuvans öffentliche Erklärung, 9. Februar 2014
- Behindwoods — Bericht über seine Erzählung, 5. Juni 2020
- Times of India — Zafroon Nizars Bericht, 6. Juni 2020
Foto: Abdullah Azeez / Unsplash.
