Zurück zu allen Geschichten

Nenad Ristić: Jahre des Vergleichens, die im Frieden endeten

Fluss und Brücke in Belgrad
Foto: Anton Lukin · Unsplash-Lizenz

Nenad Ristić wuchs im Süden Serbiens auf und wurde mit fünfzehn Jahren auf eigenen und familiären Wunsch in der orthodoxen Kirche getauft. Er sagte, Kriege und Propaganda der 1990er Jahre hätten das Bild von Muslimen in seinem Umfeld verschlechtert, und auch er sei nicht frei von solchen übernommenen Vorstellungen gewesen.

Das Geschichtsstudium öffnete eine andere Tür. Religiöse Texte gehörten zu seiner akademischen Ausbildung; später arbeitete er als Reiseführer in der Türkei und in Ägypten. Dort sah er muslimisches Leben anders als erwartet, und die Frage verschob sich vom übernommenen Menschenbild zum direkten Vergleich von Leben und Text.

Er führte die Entscheidung nicht auf einen plötzlichen Augenblick zurück. Der Prozess habe mehrere Jahre gedauert; auf der Suche nach einem Weg zu Gott habe er Altes Testament, Neues Testament und Koran gelesen. Als er überzeugt war, entschied er sich und beschrieb seinen Islam als Versöhnung mit Gott und Frieden mit sich selbst.

Das Interview erschien im Februar 2017 und gab an, er sei acht Monate zuvor Muslim geworden. Es schilderte auch, wie er an einem Freitag im vorangegangenen Juni zur Bajrakli-Moschee in Belgrad ging und die Schahada sprach. Der Tag ist nicht belegt; deshalb bleibt der Bericht bei ungefähr Juni 2016 und ergänzt keine ungenannten Zeugen.

Ristić behielt seinen Namen und seine serbische Identität und lehnte es ab, Nationalität mit einer ererbten Religion gleichzusetzen. Er änderte nach eigener Aussage seine Ernährung, lernte die nötigen arabischen Gebetsformeln und versuchte, die Praxis mit der Arbeit zu verbinden. Sohn und enge Freunde hätten die Nachricht ruhig aufgenommen.

Am deutlichsten zeigt die Geschichte, dass eine Korrektur des Bildes Lektüre und Begegnung brauchen kann und eine reife religiöse Entscheidung Name oder Heimat nicht auslöschen muss. [N1, N2]

Quellen

Zurück zum Qabas-Index