Mohammed Amir: Als die Überprüfung einer Tat begann, die er nicht mehr verteidigte

Balbir Singh berichtete später, seine Jugend sei von Feindseligkeit gegenüber Muslimen und von radikal-nationalistischer Politik geprägt gewesen. Nach seiner mehrfach wiederholten Darstellung beteiligte er sich am 6. Dezember 1992 am Abriss der Babri-Moschee in Ayodhya. Die anfängliche Euphorie hielt nach seiner Heimkehr jedoch nicht an. Seine Familie verurteilte die Tat, und er begann darin einen Rechtsbruch und ein Unrecht zu sehen, das er nicht länger verteidigen konnte.
Aus diesem Schock wurde eine längere innere Auseinandersetzung. Er sagte, seine Ruhe verloren zu haben und unter Angst gelitten zu haben. Später brachte ihn sein Gefährte Yogendra Pal mit dem Gelehrten Kaleem Siddiqui zusammen. Ein Journalist, der Amir interviewte, berichtete, er sei nicht mit dem festen Entschluss gekommen, den Islam anzunehmen; er habe ein Gebet oder Erleichterung von seiner Unruhe gesucht. Entscheidend seien für ihn die Aufrichtigkeit, die ruhige Haltung und das geduldige Verständnis des Gelehrten gewesen.
Balbir nahm 1993 den Islam an und wurde später als Mohammed Amir bekannt. In späteren Interviews nannte er den 1. Juni als Datum. Ein älteres ausführliches Interview legt das Treffen mit Siddiqui jedoch in den Juni und spricht von einem mehrmonatigen Aufenthalt vor der Entscheidung. Das Jahr 1993 ist damit gesichert, während Tag und genauer Ablauf voneinander abweichen. In allen Fassungen erscheint die Entscheidung als Ergebnis einer schrittweisen Neubewertung.
Amir erzählte, dass er nach dem Religionswechsel gesellschaftlichen Druck und Schikanen durch die Polizei erlebt habe und später nach Hyderabad gezogen sei. Sein neues Leben verband er zudem mit dem Versuch, den von ihm beklagten Schaden wiedergutzumachen, indem er am Bau oder an der Wiederherstellung von Moscheen mitwirkte. Die veröffentlichten Zahlen unterscheiden sich stark; sein späteres Wirken lässt sich deshalb besser als dauerhafte Richtung denn als unsichere Summe verstehen.
In seinen späteren öffentlichen Äußerungen forderte Amir nicht dazu auf, den Konflikt fortzusetzen. Er warb dafür, den Streit zu überwinden und die Beziehungen zwischen Muslimen und Hindus zu verbessern. Seine Geschichte hinterlässt eine stillere Lehre als das politische Spektakel um sie herum: Neubewertung kann beginnen, wenn ein Mensch sein eigenes Unrecht klar benennt, und geduldiger Charakter kann eine Tür öffnen, die Konfrontation verschlossen hält. Ob eine Veränderung echt ist, zeigt sich an den Entscheidungen danach.
Quellen
- Anadolu Agency — Hindu fanatic, part of Babri Mosque demolition now builds mosques, 2019-12-04
- Mumbai Mirror — The forgiveness special: Kar sevak Balbir Singh is now Mohammed Amir, 2017-12-31
- Bangalore Mirror — Murali K Menon, The Forgiveness Special, 2017-12-31
- Independent Urdu — بابری مسجد گرا کر درجنوں مساجد بنانے والے ‘بلبیر سنگھ’ کون تھے؟, 2021-07-24
- Daily Jang — بابری مسجد کو شہید کرنے والے بلبیر سنگھ کا قبول اسلام کے بعد انٹرویو آج جیو پر, 2018-10-27
