Madarej

Bevor du auf „Senden“ drückst

Ein Telefon, eine Lupe und eine Karte zur Quellenprüfung

Wie prüfst du, ob eine Nachricht stimmt?

Eine Übung für 13- bis 18-Jährige. Du brauchst nur Papier und einen Stift.

In eurer Freundesgruppe kommt eine Nachricht an: „Der Lesewettbewerb morgen fällt aus. Sagt allen Bescheid!“ Dazu gibt es ein Bild mit dem Logo der Bibliothek. Das Datum der Ankündigung fehlt.

Du wolltest zum Wettbewerb gehen. Änderst du jetzt deine Pläne? Leitest du die Nachricht weiter?

Warte kurz. Das Bild könnte alt sein oder einen anderen Wettbewerb betreffen. Öffne die dir bekannte Seite der Bibliothek und suche nach der Ankündigung. Findest du keine klare Antwort, frage die zuständige Person über einen Kontaktweg, den du oder deine Familie bereits kennen.

Bis dahin kannst du sagen: „Ich habe eine Nachricht bekommen, dass der Wettbewerb ausfällt. Ich habe aber noch nicht geprüft, ob das stimmt.“

Diese Situation und die folgenden Beispiele sind für die Übung erfunden. Du lernst, wo du nachsehen kannst, wann du eine Nachricht weitergibst und wie du einen bereits verbreiteten Fehler korrigierst.

Ehrlich sein – auch beim Weiterleiten

Der Koran lehrt uns, nicht dem zu folgen, worüber wir kein Wissen haben. Das ist eine sinngemäße Wiedergabe eines Teils von Vers 36 der Sure Al-Isra, nicht der arabische Wortlaut.[1]

Manchmal geben Menschen falsche Informationen weiter, weil sie helfen möchten. Deshalb müssen wir prüfen, bevor wir sagen: „So ist es passiert.“ „Das weiß ich noch nicht“ ist eine ehrliche Antwort. Dafür musst du dich nicht schämen.

Die folgenden Schritte helfen bei Alltagsnachrichten, etwa zu Veranstaltungen oder Mitteilungen von Schule und Bibliothek.

Probiere es zuerst selbst

Stell dir vor, vier Konten teilen dasselbe Bild: „Das Clubtreffen findet jetzt am Abend statt.“ Das Datum des Treffens steht nicht dabei.

Beantworte schriftlich:

  1. Reicht das Bild aus, um deine Ankunftszeit zu ändern? Warum?
  2. Wo suchst du nach der richtigen Uhrzeit?

Hebe deine Antworten auf. Am Ende schaust du sie dir noch einmal an.

Schritt 1: Was genau möchtest du prüfen?

Formuliere deine Frage, bevor du suchst. Im Beispiel lautet sie: „Wurde der für morgen geplante Lesewettbewerb abgesagt?“

Achte auf den Namen der Veranstaltung, Datum, Uhrzeit und Ort. Wird ein Zeichenkurs abgesagt, heißt das nicht, dass auch der Lesewettbewerb ausfällt. Schließt eine Bibliotheksfiliale, sind nicht automatisch alle geschlossen.

Unterscheide außerdem zwischen einer überprüfbaren Aussage und einer Meinung. „Der Wettbewerb beginnt um fünf“ lässt sich prüfen. „Das ist der schönste Wettbewerb“ ist eine Meinung.

Schritt 2: Wer hat es angekündigt?

Suche bei der verantwortlichen Stelle. Bei der Bibliothek beginnst du mit der bekannten Seite oder der für die Veranstaltung zuständigen Person. Ein Logo auf einem Bild beweist nicht, dass die Bibliothek es veröffentlicht hat.

Lies die ganze Ankündigung und frage:

  • Wann wurde sie veröffentlicht?
  • Geht es um meine Veranstaltung?
  • Stimmen Ort und Termin überein?
  • Gibt es eine spätere Mitteilung, die Uhrzeit oder Entscheidung ändert?

Findest du keine Bestätigung, sage: „Ich konnte die Nachricht noch nicht bestätigen.“ Dass du eine Ankündigung nicht findest, beweist für sich allein nicht, dass die Nachricht falsch ist.

Nutze eine dir bekannte Webadresse. Klicke nicht auf unbekannte Links in Nachrichten. Gib niemandem dein Passwort oder persönliche Daten, nur weil diese angeblich zur Überprüfung gebraucht werden.

Schritt 3: Schreiben alle voneinander ab?

Du siehst eine Nachricht auf fünf Konten und denkst: Fünf Leute haben sie überprüft. Vielleicht haben aber alle denselben Beitrag kopiert.

Ein Konto veröffentlicht zum Beispiel das Bild einer Ankündigung, vier weitere teilen es. Du siehst ein einziges Bild fünfmal. Ob jemand bei der Bibliothek nachgefragt hat, weißt du noch nicht.

Frage: „Wer hat das zuerst veröffentlicht? Liefern die anderen Konten zusätzliche Informationen?“

Kennst du die Website nicht, suche ihren Namen in anderen Quellen, die du kennst und denen du vertraust. Verlass dich nicht nur auf die Selbstaussage „Wir sind vertrauenswürdig“. Was andere Stellen über eine Website sagen, kann bei ihrer Überprüfung helfen.[2]

Schritt 4: Was machst du jetzt?

Entscheide passend zu dem, was du herausgefunden hast:

Was du gefunden hast Was du sagen oder tun kannst
Eine klare Absage der Bibliothek für diesen Wettbewerb „Die Bibliothek hat den Wettbewerb abgesagt.“ Schicke die Ankündigung den Betroffenen.
Ein Bild ohne Datum, aber keine ursprüngliche Ankündigung „Ich habe es noch nicht bestätigt.“ Warte mit dem Weiterleiten.
Eine Mitteilung zu einer anderen Veranstaltung „Das betrifft den Zeichenkurs, nicht den Lesewettbewerb.“
Eine alte Ankündigung und danach eine neue Mitteilung derselben Stelle zur selben Veranstaltung Nenne die aktualisierte Uhrzeit und teile die neue Mitteilung.

Auch wahre Informationen darfst du nicht einfach immer weitergeben. Teile keine privaten Informationen über andere. Wenn jemand einen Mitschüler beschuldigt, leite die Anschuldigung nicht an eine andere Gruppe weiter, um zu fragen, ob sie stimmt. Bitte bei Bedarf einen Elternteil oder eine vertraute Lehrkraft um Hilfe.

Für 13–15 Jahre: Fällt der Wettbewerb aus?

Du bist für einen Lesewettbewerb morgen, Donnerstag, angemeldet. Heute ist Mittwoch. Alle folgenden Angaben beziehen sich auf dieselbe Woche.

Nachricht 1: Auf einem Bild steht: „Der Lesewettbewerb morgen fällt aus.“ Weder der Name der Bibliothek noch das Veröffentlichungsdatum sind zu sehen.

Nachricht 2: Ein Freund sagt: „Ich habe das Bild in zwei Gruppen gesehen. Also muss es stimmen.“

Ankündigung 3: Die Bibliothek hat heute auf ihrer bekannten Seite geschrieben: „Der Lesewettbewerb morgen, Donnerstag, findet wie geplant statt. Das verbreitete Absagebild betrifft den Wettbewerb vom letzten Monat.“

Beantworte:

  1. Welche Ankündigung beantwortet deine Frage zu morgen?
  2. Warum bestätigen zwei Gruppen mit demselben Bild noch keine Absage?
  3. Schreibe deinem Freund kurz, was du herausgefunden hast, ohne ihm Vorwürfe zu machen.

Für 16–18 Jahre: Beweist eine Werbung ihr Versprechen?

Eine Werbung für einen Schnelllesekurs behauptet: „Alle, die unseren Kurs besucht haben, lesen jetzt schneller.“ Zwei Konten wiederholen den Satz und verlinken dieselbe Werbung.

Die Werbung nennt weder die Zahl der Teilnehmenden noch die Messmethode vor und nach dem Kurs. Auch steht dort nicht, ob die Teilnehmenden weiterhin verstanden haben, was sie lasen.

Beantworte:

  1. Liefern die beiden Konten neue Informationen oder wiederholen sie nur den Kursanbieter?
  2. Was müsstest du wissen, bevor du einem Freund sagst, das Ergebnis sei bestätigt?
  3. Beweist die fehlende Information, dass der Anbieter lügt?
  4. Schreibe drei Sätze: Was behauptet die Werbung? Was erklärt sie nicht? Wirst du ihr Versprechen weitergeben?

Zusatzfrage: Welche Information könnte deine Einschätzung ändern? Warum?

Bleibe beim schriftlichen Beispiel. Du musst keinen Kurs kaufen, keine Website kontaktieren und keine Daten eingeben.

Abschlussübung: Eine neue Uhrzeit

Am Montag kündigt der Club an: Der Workshop am Donnerstag beginnt um 16 Uhr. Am Dienstag veröffentlicht er auf seiner bekannten Seite: „Der Workshop an diesem Donnerstag beginnt nun um 17 Uhr statt um 16 Uhr.“

Am Mittwoch schicken dir zwei Freunde die alte Ankündigung vom Montag. Beide Mitteilungen betreffen denselben Workshop, am selben Ort und in derselben Woche.

Beantworte:

  1. Wann beginnt der Workshop nach den vorliegenden Informationen?
  2. Warum hast du diese Uhrzeit gewählt?
  3. War die Montagsankündigung bei ihrer Veröffentlichung falsch?
  4. Was schreibst du deinen Freunden, um die Änderung zu erklären?

Lies deine Antworten vom Anfang. Kannst du jetzt besser erkennen, welche Information fehlt und wo du nachsehen musst?

Was, wenn du schon etwas Falsches geteilt hast?

Korrigiere den Fehler dort, wo du die Nachricht geteilt hast. Zum Beispiel:

Ich habe gerade geschrieben, dass der Wettbewerb ausfällt. Inzwischen habe ich herausgefunden, dass das Bild einen früheren Wettbewerb betrifft. Laut Bibliothek findet der Wettbewerb morgen statt. Entschuldigt den Fehler. Hier ist die richtige Ankündigung.

Einige Freunde haben vielleicht die erste Nachricht gelesen. Informiere sie deshalb über die Korrektur, auch wenn du die alte Nachricht löschst. Enthält der Fehler eine Anschuldigung oder private Informationen, wiederhole die schädlichen Einzelheiten nicht in der Korrektur. Bitte bei Bedarf eine erwachsene Vertrauensperson um Hilfe.

Dein Blatt vor dem Senden

Schreibe die Fragen ab und beantworte sie zu einem der Beispiele:

  • Welche Nachricht möchte ich prüfen? …
  • Wer hat sie veröffentlicht? Wo habe ich die Ankündigung gefunden? …
  • Wann wurde sie veröffentlicht? Passen Ort und Termin? …
  • Ergänzen andere Konten Informationen oder wiederholen sie dieselbe Ankündigung? …
  • Was habe ich bestätigt? Was weiß ich noch nicht? …
  • Teile ich die Nachricht, warte ich oder korrigiere ich etwas? Warum? …

Notiere keine Namen oder privaten Informationen deiner Mitschüler. Die Beispiele reichen zum Üben aus.


Hinweise für Eltern und pädagogische Fachkräfte

So führen Sie die Übung durch

Bereiten Sie Papier, einen Stift und die passende Altersübung vor. Internet ist nicht nötig. Lassen Sie die Jugendlichen zuerst selbst antworten. Zeigen Sie erst danach die Antwortvorschläge. Mündliche Antworten sind möglich, wenn Schreiben die Teilnahme erschwert.

Der folgende Vorschlag dauert etwa 40 Minuten und lässt sich auf zwei Treffen verteilen.

Zeit Ablauf
5 Minuten Einstieg lesen und die beiden Fragen unter „Probiere es zuerst selbst“ beantworten lassen.
8 Minuten Die vier Schritte am Bibliotheksbeispiel erklären.
12 Minuten Altersübung bearbeiten und Antworten besprechen.
10 Minuten Abschlussübung ohne Hilfe lösen lassen, dann die gewählte Uhrzeit begründen lassen.
5 Minuten Das Frageblatt ausfüllen und einen Schritt für den Alltag auswählen.

Antwortvorschläge für das Gespräch

Einstieg: Das Bild reicht nicht aus, weil das Datum fehlt. Geeignet ist die Ankündigung des Clubs oder eine Rückfrage über einen bekannten Kontaktweg. Mehr geteilte Bilder ersetzen kein Datum.

13–15 Jahre: Ankündigung 3 betrifft morgen und erklärt die Verwechslung. Zwei Gruppen mit demselben Bild beweisen keine Überprüfung. Mögliche Antwort: „Ich habe bei der Bibliothek nachgesehen. Der Wettbewerb morgen findet statt. Das Bild betrifft den letzten Monat.“

16–18 Jahre: Die Konten wiederholen die Werbung. Benötigt werden Teilnehmerzahl, Messmethode für die Lesegeschwindigkeit, eine Prüfung des Textverständnisses und die tatsächlichen Ergebnisse. Fehlende Angaben beweisen keine Lüge, bestätigen aber auch kein Versprechen. Beispiel: „Die Werbung sagt, dass danach alle schneller gelesen haben. Sie erklärt nicht, wie das gemessen wurde. Ich werde das Versprechen nicht als bestätigte Tatsache teilen.“

Kommerzielle Werbung ist nicht automatisch falsch. Besprechen Sie die Belege. Selbst nachgewiesene Verbesserungen bei einigen Teilnehmenden beweisen nicht, dass alle gleich stark profitieren werden.

Abschlussübung: Beginn ist um 17 Uhr, weil der Club eine eindeutige Änderung für denselben Workshop veröffentlicht hat. Im Beispiel steht nicht, dass die Montagsankündigung falsch war: Der Termin wurde danach geändert. Mögliche Nachricht: „Der Club hat am Dienstag eine Änderung veröffentlicht. Beginn ist um 17 statt um 16 Uhr. Das Bild stammt aus der Zeit vor der Änderung.“

Woran erkennen Sie den Lernfortschritt?

Achten Sie auf vier Fähigkeiten: die konkrete Aussage benennen, eine passende Quelle finden, Datum und Veranstaltung beachten sowie die Entscheidung begründen.

Notieren Sie jeweils „selbstständig“, „mit Hilfe“ oder „braucht weitere Übung“. Bei Schwierigkeiten hilft eine gezielte Frage wie: „Wo steht das Datum?“ Das unterstützt die Auswahl der nächsten Übung, erlaubt aber kein allgemeines Urteil über die Fähigkeiten des Jugendlichen.

Nutzen Sie die vorgegebenen Beispiele statt privater Chats. Lassen Sie keine Gerüchte sammeln und nicht nach schädlichen Inhalten suchen. Bezeichnen Sie niemanden als naiv oder leichtgläubig. Einzelarbeit, Partnerarbeit und gemeinsames Lesen sind möglich.

Wählen Sie einige Tage später eine unbedenkliche öffentliche Mitteilung der Schule oder Bibliothek. Fragen Sie nach Quelle, Datum und Inhalt. Spezielle medizinische oder religiöse Fragen gehören zu qualifizierten Fachleuten; die Zahl der Beiträge liefert keine verlässliche Antwort.

Quellen

[1] Koran, Sure Al-Isra, 17:36: https://quran.com/17/36 . Oben wird der Sinn eines Auszugs wiedergegeben, nicht der ganze Vers.

[2] Digital Inquiry Group, Civic Online Reasoning: https://cor.inquirygroup.org/ . Die Fragen nach Urheber, Belegen und anderen Quellen dienten als Anregung. Beispiele und Übungen stammen von Madarej.

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