Kery James: Vom Namen der Zugehörigkeit zum Verstehen des Glaubens

Die Geschichte von Kery James beginnt nicht mit einem einzigen bequemen Datum. In einem ausführlichen Interview sagte er, er habe sich seit der französischen Klassenstufe quatrième, etwa im Schuljahr 1991–1992, als Muslim betrachtet. Der Islam war die Religion, die in seinem Umfeld am nächsten lag. Diesen Anfang beschrieb er jedoch eher als Nachahmung denn als Wissen: Er aß kein Schweinefleisch mehr, wusste aber noch wenig über die Religion.
Es war nicht seine erste Begegnung mit Religion. Er erinnerte sich, dass seine Mutter christliche und evangelikale Gruppen ins Haus ließ und dass er auch Unterricht bei Zeugen Jehovas besuchte. Als er geistigen Halt suchte, war der Islam durch die Menschen in seiner Umgebung der nächste Weg. Am Anfang stand keine entscheidende Debatte, sondern soziale Nähe, die später zu Verständnis werden musste.
In seiner Jugend nahm der Druck des Straßenmilieus zu. Er sah, dass dessen Regeln im Gefängnis oder im Tod enden konnten, doch die Gefahr zu erkennen reichte nicht aus, um ihr zu entkommen. Später korrigierte er eine Darstellung, die seine Veränderung auf das Jahr 1999 verkürzte: Schon zuvor betrachtete er sich als Muslim; 1999 begann er jedoch, seine Religion ernsthaft lernen und den bisherigen Weg verlassen zu wollen.
Er erinnerte sich daran, dass Freunde ihn zur Großen Moschee von Paris mitnahmen. Als er die Rezitation hörte, weinte er lange und sagte, die Tränen hätten ihm Erleichterung gebracht. Das ist eine Erinnerung, die er über sich selbst erzählte, keine auszuschmückende Szene und keine allgemeine Gefühlsformel. In seinem Weg kennzeichnet sie den Übergang von sozialer Identifikation zu Wissen und Praxis.
Er sagte, der Glaube habe ihm die Kraft gegeben, die Straßenregel abzulehnen, nach der der Einzelne mit der Gruppe handeln müsse. Weil das alte Umfeld ihn immer wieder in seine Gewohnheiten zurückzog, hielt er sich eine Zeit lang von einigen früheren Freunden fern und blieb in der Nähe der Moschee. Er stellte die Veränderung nicht als mühelos dar; sie brauchte andere Begleitung und einen Ort, der die Entscheidung stützte.
Später kehrte er zum Schreiben und Auftreten zurück und sagte, er wolle eine nützliche Botschaft vermitteln. In einem weiteren Interview sprach er von Reisen in den Libanon und nach Ägypten, um Arabisch zu lernen und sein Wissen über den Islam zu vertiefen. Das sind zeitlich eingeordnete Stationen seines öffentlichen Berichts, kein Urteil über seinen privaten Zustand heute und keine Grundlage dafür, aus seinen künstlerischen Entscheidungen eine religiöse Regel für andere zu machen.
Der Weg bewahrt einen wichtigen Unterschied zwischen dem Namen der Zugehörigkeit und der Arbeit des Verstehens. Ein junger Mensch kann sich dem Islam nahe fühlen, bevor er ihn kennt, und später Lernen, Begleitung und eine veränderte Umgebung brauchen, damit seine Entscheidung verantwortet wird. In diesem Abstand zeigt sich der Wert eines Menschen, der ohne Druck begleitet und die erste Nachahmung nicht mit dem Ziel verwechselt.
Quellen
- Matthieu Bidan & Michela Cuccagna / StreetPress — Kery James, vie hardcore, 13 September 2016
- Mérième Alaoui / Salamnews–Saphirnews — Kery James : Le climat islamophobe m’est insupportable, April–14 May 2012
- RFI Musique — Kery James profile, 2005
- Bibliothèque nationale de France — Kery James / Alix Mathurin authority record
